warum viele trotz Training nicht schneller werden
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ToggleIntervalltraining gilt als Schlüssel, um schneller zu schwimmen. Trotzdem sehe ich im Training immer wieder Schwimmer, die viele Intervalle absolvieren – und sich trotzdem kaum verbessern. Nicht, weil sie zu wenig trainieren, sondern weil ihr Intervalltraining seine Wirkung verfehlt.
Der Grund dafür liegt selten im Trainingsfleiß. Meist sind es kleine, aber entscheidende Fehler, die sich über Wochen und Monate einschleichen. Genau diese Fehler sorgen dafür, dass Intervalltraining anstrengend wird, ohne effektiv zu sein.
Fehler 1: Kein klares Ziel für die Einheit
Intervalltraining ist kein Selbstzweck. Jede Einheit sollte ein klares Ziel haben: Ausdauer, Tempo, Technik oder Belastungsverträglichkeit. Ohne dieses Ziel verlieren Intervalle ihre Richtung.
Hilfreich ist es dabei, die Intervalle immer an die persönliche Zielstrecke anzupassen. Ob du über 100 Meter schneller werden oder deine Leistung über 400 oder 1500 Meter stabilisieren möchtest – Länge der Intervalle, Tempo und Pausen sollten sich genau daran orientieren.
Typisch ist eine Mischung aus zu vielen verschiedenen Reizen in einer Einheit. Am Ende weiß der Körper nicht, worauf er reagieren soll.
Fehler 2: Alles wird im gleichen Tempo geschwommen
Viele Schwimmer bewegen sich dauerhaft in einem Bereich, der weder richtig locker noch wirklich intensiv ist. Dieser sogenannte „mittelharte Bereich“ fühlt sich anstrengend an, führt aber selten zu klaren Anpassungen.
Wenn du dein Schwimmen weiterentwickeln möchtest, reicht es nicht aus, nur zwischen locker, mittel und schnell zu unterscheiden. Fortschritt entsteht dann, wenn du lernst, in mehreren klaren Tempostufen zu schwimmen und diese bewusst abzurufen. Dazu gehört auch, verschiedene Zeitvorgaben gezielt und möglichst konstant treffen zu können – egal ob es um kurze Intervalle oder längere Serien geht.
Genau hier entsteht oft der Eindruck, viel zu trainieren – ohne schneller zu werden.
Fehler 3: Pausen werden falsch gesetzt
Pausen sind kein Lückenfüller, sondern Teil der Belastung. Zu kurze Pausen führen zu Technikverlust, zu lange Pausen nehmen dem Training den Reiz.
Intervalltraining funktioniert nur, wenn Belastung und Pause sinnvoll aufeinander abgestimmt sind – ein Punkt, den viele unterschätzen. Warum Pausen dabei eine so zentrale Rolle spielen und wie sie gezielt zur Trainingssteuerung eingesetzt werden, habe ich im Artikel „Warum Pausen im Schwimmtraining entscheidend sind“ ausführlich erklärt.
Fehler 4: Technik bricht unter Belastung weg
Intervalltraining verstärkt das, was du technisch anbietest. Wenn Technik unter Belastung zusammenbricht, trainierst du genau diese fehlerhaften Bewegungsmuster.
Deshalb ist es entscheidend, Intensität und Technik immer gemeinsam zu betrachten.
Fehler 5: Zu viel Fokus auf Uhr und Zeiten
Sportuhren liefern viele Daten. Doch wer während jeder Bahn auf die Uhr schaut, verliert oft das Gefühl für Wasserlage, Rhythmus und Technik.
Zahlen sollen unterstützen, nicht dominieren.
Beispiel: Intervalltraining richtig aufbauen
Einschwimmen
- 200 m locker Kraul
- 100 m Rücken locker
- 4×25 m Technik (hoher Ellbogen, ruhiger Kopf)
Hauptteil
- 3×(4×75 m im Zieltempo), 15 s Pause zwischen den 75ern, 45 s Serienpause
- 6×50 m wechselnd: 1× locker / 1× zügig, 20 s Pause
- 8×25 m technisch sauber schnell, 30–40 s Pause
Ausschwimmen
300 m sehr locker
Wenn Training allein nicht mehr weiterbringt
Wenn dein Intervalltraining zwar anstrengend ist, aber keine Fortschritte bringt, lohnt sich ein genauer Blick auf Struktur, Pausen und Zielsetzung.
Gemeinsam analysieren wir dein Training und sorgen dafür, dass Intervalle wieder das tun, was sie sollen: dich schneller machen.
Fazit
Intervalltraining ist eines der wirkungsvollsten Werkzeuge im Schwimmen – wenn es richtig eingesetzt wird. Genau darin liegt aber auch der entscheidende Punkt: Nicht die Anzahl der Intervalle oder die Härte der Einheit machen den Unterschied, sondern die Art und Weise, wie sie geplant und umgesetzt werden.
Wer klare Ziele setzt, Intensitäten sauber trennt und Pausen bewusst nutzt, trainiert effektiver und nachhaltiger. Intervalltraining bedeutet nicht, sich möglichst oft zu quälen oder jede Einheit an die Belastungsgrenze zu bringen. Vielmehr geht es darum, gezielte Reize zu setzen, die zum jeweiligen Trainingsziel passen und technisch sauber umgesetzt werden können.
Richtig aufgebautes Intervalltraining schafft Struktur, verbessert die Temposteuerung und sorgt dafür, dass Fortschritte messbar und wiederholbar werden. Wer diese Prinzipien verinnerlicht, nutzt Intervalle nicht mehr als Belastungsprobe, sondern als Werkzeug, um Schritt für Schritt schneller, effizienter und kontrollierter zu schwimmen.
